Theater (2003) – Lumpazivagabundus

Zauberposse mit Gesang von Johann (Nepomuk Eduard Ambrosius) Nestroy in einer Neufassung von Heinz Mayer.
Zum Inhalt
Der böse Geist Lumpazivagabundus treibt in der überirdischen Welt sein Unwesen, bringt Ordnung und Moral durcheinander, verführt die Jugend zum Spielen, Trinken und zu ungezügelten Liebesabenteuern. Lumpazivagabundus wird von der Feenkönigin verbannt. In diesem Zusammenhang kommt es zu einem Streit zwischen der Glücksfee Fortuna und der Liebesfee Amorosa.
An Leim, Zwirn und Knierim, drei Versuchspersonen aus der irdischen Welt, soll sich zeigen, ob Reichtum oder „wahre Liebe“ zum soliden bürgerlichen Leben führt.
Von der Glücksfee Fortuna mit einem riesigen Lotteriegewinn überschüttet, versuchen die vagabundierenden Handwerksburschen auf unterschiedlichste Art und Weise ihr Glück zu machen.
Der verzweifelt verliebte Tischler, der vergnügungssüchtige Schneider und der melancholische Schuster sind das „liederliche Kleeblatt“, an dem Nestroy mit satirischer Kraft Archetypen der österreichischen Seele bloßstellt.

Darsteller
Paul Altenburger – Hilarius, Mystifax‘ Sohn
Beate Bauer – Camilla, Palpitis Tochter
Brigitte Bruck – Stellaria, Feenkönigin
Michael Bruck – Hobelmann, Tischlermeister
Verena Dornhackl – Laura, Palpitis Tochter
Rosa Dornhackl – Signora Palpiti
Sophie Ehweiner – Peppi, Hobelmanns Tochter
Edin Fejzic – Straßenjunge
Franz Haller – Knierim, Schustergesell
Petra Haller – Mädchen
Maria Henkel – Amorosa, Liebesfee
Oskar Luger – Mystifax, alter Zauberer
Karin Mühlberger – Anastasia Hobelmann, Hobelmanns Nichte
Renate Rapp – junge Frau
Ernst Scheuer – Hausierer
Herta Schneider – Fortuna, Glücksfee
Verena Schuh – Brillantine, Fortunas Tochter
Helga Schwarz – Reserl, Magd
Sepp Stich – Pantsch, Wirt
Franz Stockinger – Herr von Windwachel
Gerhard Stockinger – Leim, Tischlergesell
Heidi Sykora – eine Malerin
Michael Tröthann – Strudl, Gastwirt
Fabian Weiss – Fludribus, Sohn eines Magiers
Franz Josef Weiss – Zwirn, Schneidergesell
Fritz Weiss – Fassel, Braumeister
Niki Weiss – Lumpazivagabundus, böser Geist
Sebastian Weiss – Straßenjunge
Vicki Weiss – Hannerl, Kellnerin
Jürgen Zeinler – Herr von Lüftig

Produktionsteam
Heinz Mayer – Neufassung und Inszenierung
Elisabeth Hailwax – Assistenz
Erni Weiss, Michaela Zeinler – Maske und Kostüme
Herbert Fischer – Bühnenbild
Franz Stockinger, Franz Knoth, Paul Altenburger – Bühnenbau und Technik
Martin Wittmann – Musikalische Leitung
Christian Pröglhöf – Tontechnik und Licht

Aufführungstermine
Samstag, 8.11.2003 19.30
Sonntag, 9.11.2003 16.00
Freitag, 14.11.2003 19.30
Samstag, 15.11.2003 19.30
Samstag, 22.11.2003 19.30
Sonntag, 23.11.2003 16.00
Samstag, 29.11.2003 19.30
Sonntag, 30.11.2003 16.00

ca. 1.400 Besucher

Kommentar
Ein sensationeller Publikumserfolg wurde Nestroys „Lumpazivagabundus“ in einer Neufassung von Heinz Mayer, der anlässlich der Eröffnung des Kulturstadls von der Theatergruppe Oberfellabrunn aufgeführt wurde.
Bereits vor der Premiere waren alle sechs geplanten Vorstellungen restlos ausverkauft, auch für die beiden zusätzlichen Aufführungen waren innerhalb kurzer Zeit keine Karten mehr erhältlich.
Es war in der Tat ein kultureller Event ersten Ranges im Westlichen Weinviertel. Von einem Laientheater zu sprechen, würde dem Ereignis nicht gerecht werden – nahezu professionell waren die Inszenierung und ein Großteil der schauspielerischen Leistungen.
Schon beim Betreten des Kulturstadls wurde der Zuschauer von jener faszinierenden, dichten Atmosphäre gefangen genommen, die nur alten Stadln eigen ist. Die zweite Bühne oberhalb der Hauptbühne und eine dritte Bühne am Ende des Stadls und wohlklingende Livemusik ließen bereits vor Beginn der Vorstellung die hohen Ansprüche der Inszenierung erahnen. Eine durch eine ausgeklügelte Lichttechnik und Bühnendekoration erzeugte mystische Stimmung zu Beginn der Aufführung, dazu tolle Kostüme und eine perfekte Maske zogen den Zuschauer vom ersten Augenblick an in ihren Bann.
Mit dem Auftreten des kongenialen Trios Leim, Zwirn und Knierim wurde schnell klar, dass dem Publikum nicht nur eine perfekte Ausstattung und Technik, sondern auch großartiges schauspielerisches Können geboten wird. Aber nicht nur die Hauptrollen waren glänzend besetzt, sondern auch bei einigen Nebenrollen, wie z.B. dem diabolischen Lumpazivagabundus oder dem köstlichen Herrn von Windwachel, musste man bedauern, dass man nicht mehr davon zu hören und sehen bekam.
Überhaupt war die Spielfreude des großen Ensembles (30 Darsteller !) permanent spürbar und sprang wie ein Funken auf das Publikum über.
Sehr gelungen war der Text des Stückes: Gegenwartsbezug und Aktualität (z.B. Transit-Abkommen, Pensions-Reform), sowie die gelegentliche, treffende Verwendung der bürgerlichen Namen und Berufe der Darsteller (z.B. Malermeister, Gemeinderat) gaben dem Stück einen ganz besonderen Pfiff.
Insgesamt war diese bisher größte Produktion in der Geschichte der Theatergruppe Oberfellabrunn mehr als gelungen und ein absoluter Höhepunkt. Sie wurde dem Anlass – der Eröffnung des Kulturstadls Oberfellabrunn – voll gerecht und wird den meisten Zuschauern (und Beteiligten) als besonderes kulturelles Erlebnis wahrscheinlich noch lange in guter Erinnerung bleiben.
Natürlich hat sich die Theatergruppe Oberfellabrunn die Latte für die nächste Inszenierung selber sehr hoch gelegt, aber bei diesem Engagement, diesem Ideenreichtum und diesem Leistungspotenzial wird es der Theatergruppe sicher wieder gelingen, dieses Niveau zu erreichen.
Abschließend gilt ein ganz besonderer Dank den Sponsoren des Projektes und den zahlreichen freiwilligen Helfern, die in unzähligen Arbeitsstunden die Realisierung dieses Projekt überhaupt erst ermöglicht haben.